Autor Perspektive

a) Unpersönlich, objektiv

  • immer angebracht: Nachricht, Bericht, Rezension, eigentlich immer
  • mit Zitaten arbeiten lieber jemandem anders das „Denken, Fühlen, Meinen“ in den Mund legen bzw. danach fragen, was er denkt / fühlt / meint als seine eigene Gedanken / Gefühle / Meinungen direkt zu schreiben

Vorteil

  • gilt als sachlich und damit als glaubwürdig, wenn es um die Darstellung von Fakten geht
  • bewahrt vor falschen (oder falsch wirkenden oder unangebrachten) Emotionen, Deutungen
  • Zynismus, Sarkasmus und Ironie schleichen sich im subjektiven Stil meist ein, funktionieren geschrieben in Abwesenheit des Autors aber selten – beim objektiven Stil ist die Hemmschwelle höher.

Nachteil

  • persönliche Erfahrungen während der Recherche können nicht vorkommen (über eine Konstruktion wie „wer das zum ersten Mal sah, konnte schon erstaunen“ lässt sich das oft abfangen)

Merksatz: Die größte Gefahr im Journalismus besteht nicht im Lügen, sondern im Weglassen von Informationen. Nur ein objektiver Autor ist fähig, die Gegenseite anzuhören und damit ein Thema sachlich „rund“ darzustellen – das ist das Ziel eines jeden guten Artikels.

b) Persönlich, subjektiv, „Ich“

  • nur mit Vorsicht: es muss einen sehr (!) guten Grund geben, warum plötzlich ein „ich“ oder „wir“ auftaucht
  • ausschließlich, wenn der Autor als Mensch (nicht als Reporter! dass der Autor als Reporter vor Ort war, ist klar, sonst gäbe es den Text nicht) für den Fortgang des Beschriebenen notwendig ist; wenn es auf die direkten Eindrücke vor Ort unbedingt ankommt und (!) nur der Autor sie so wahrnehmen konnte (wie in „Blutspenden“ in Spree #1 und „Blutspenden in Kambodscha“ in Spree #2)
  • die Meinung des Autors („ich denke/finde das/glaube“) ist uninteressant, sie wird durch den Text meist sehr viel wirksamer deutlich als durch irgendwelche Floskeln
  • Lässt sich ein Text ins Unpersönliche umschreiben, ohne inhaltlich etwas zu verlieren, dann ist er besser in der unpersönlichen Schreibweise
  • angebracht bei: Reportage, Reisebericht, Interview
  • bedingt sinnvoll bei: Kommentar (lieber nicht), Glosse
  • Konsequent: Wenn schon subjektiv, dann den ganzen Artikel persönlich, nicht mittendrin wechseln!

Vorteil

  • wird erlebbar (daraus ergeben sich auch die Einsatzfelder; die Person des Autors muss über ihr Autordasein hinaus eine Bedeutung haben)
  • gerade bei Eindrücken von unterwegs sehr geeignet, die Stimmung einzufangen (es sind nicht alle Japaner so, sondern nur die, die man gesehen hat)

Nachteil

  • ist halt nicht objektiv
  • wirkt uninteressant, wenn es keinen wirklich guten Grund für die Verwendung gibt

Autor:  bei Google+