Journalismus

Schreiben kann jeder, der auch reden kann. Doch Journalismus ist mehr als nur schreiben. Journalisten sind in der Position, dass ihre eine Äußerung potenziell Tausenden bekannt wird. Sie beeinflussen Meinungen, liefern Informationen, berichten über Ereignisse. Das bedeutet Verantwortung.

Daher gebietet es der journalistische Anstand, nur vertrauenswürdige Fakten (!) zu verwenden. Im Zweifelsfall bedarf es dazu mindestens zweier von einander unabhängiger Quellen. Doch die wirkliche Gefahr besteht nicht im Lügen oder Verdrehen von Tatsachen, sondern im Verschweigen oder Verkürzen von Informationen. Die größte Tugend des Journalisten ist das Beobachten oder Zuhören-Können, gepaart mit der Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen. Ein Journalist schafft nicht die Realität in den Medien, sondern berichtet mithilfe der Medien über Aspekte der Realität und die Zusammenhänge.

Jede sprachliche Äußerung ist gleichzeitig Interpretation der Sachlage. Die Versuchungen zur Perspektivenverschiebung sind vielfältig. Daher ist nur unabhängiger Journalismus guter Journalismus. Das Erstellen eines journalistischen Beitrages erfordert neben einer kleinen Portion Talent auch eine große Portion Handwerk. Das handwerkliche Rüstzeug lässt sich nachlesen, studieren, erlernen, benötigt aber ebenso Übung.

Im Alltag sollte man sich selbst regelmäßig drei Fragen stellen: Bin ich noch neugierig? Bin ich noch unabhängig? Wie kann ich noch besser werden? Zur Motivation gibt es eine vierte Frage: Wann war mein letzter Beitrag, auf den ich wirklich stolz bin, und wann wird der nächste veröffentlicht?

In der Realität ist Journalismus das Leben im Spannungsfeld zwischen eigenem Anspruch und äußerem Zeitdruck sowie anderen Faktoren. Um darin zu bestehen, braucht es Erfahrung, fachliches Können und ein dickes Fell. Wer aber aufhört, anderen zuzuhören, hört auf, journalistisch zu denken.